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Verkehrsclub stellt neue Untersuchung der Verkehrsverbünde vor

Presseinformation Nr. 3/2006, Stuttgart, 27. Januar 2006

Verkehrsverbünde: Fluch oder Segen für den öffentlichen Nahverkehr?

VCD fordert Harmonisierung der Tarifbestimmungen

Der Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat zum dritten Mal die Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg unter die Lupe genommen. Ergebnis des 'Verbundreports 2005' ist ein nach wie vor unüber­sichtliches Wirrwarr an Tarifen und Beförderungsbestimmungen, das nach Ansicht des VCD viele potenzielle Fahrgäste von der Nutzung von Bussen und Bahnen abhält. Der VCD fordert von der Landesregierung und den Verkehrs­verbünden eine Harmonisierung der Tarifbestimmungen, so dass für jede Fahrt im Land nur noch ein Ticket benötigt wird.

VCD-Vorsitzender Matthias Lieb sagte: "Seit unserem letzten Verbundreport gab es einige positive Entwicklungen. Die gemeinsame Tageskarte 'RegioX' des KVV und anderer Verbünde sowie die KVV-Übergangskarten für Fahrten über die Verbund­grenzen sind nachahmenswert - ebenso die Darstellung des Ortenauer TGO über die Regelungen für verbundgrenzüberschreitende Fahrten. Doch die negativen Beispiele wiegen leider schwerer." So behinderten fehlende gemeinsame Tarif­punkte, wie z.B. zwischen dem Stuttgarter VVS und dem Pforzheimer VPE oder dem naldo (Tübingen/Reutlingen) die Nutzung von Bus und Bahn. Auf 38 Prozent der verbundüberschreitenden Schienenstrecken in Baden-Württemberg gebe es Tariflücken an den Verbundgrenzen, für deren Überbrückung eine weitere Fahrkarte notwendig werde.

So müsse, wer aus einem beliebigen Ort im Pforzheimer VPE an einen beliebigen Ort im Stuttgarter VVS fahre, immer noch drei Fahrkarten lösen. Jeweils eine für die Verbünde und zusätzlich noch eine für die Fahrt von Bahnhof zu Bahnhof, weil die Fahrkarte des Zielverbundes nicht vorab im Startverbund erhältlich sei. Als Alternative bleibe nur, an der Verbundgrenze Vaihingen/Enz auszusteigen, die Fahrkarte für den VVS zu lösen und mit dem nächsten Zug weiterzufahren.

Zwar habe die Landesregierung, die die Verkehrsverbünde jährlich mit ca. 50 Millionen Euro fördert, Ende 2004 ihre Förderkriterien geändert und ein Fünftel der Förderung von der Einhaltung von Mindeststandards und von der Entwicklung der Fahrgastzahlen abhängig gemacht. Aus Sicht der ÖPNV-Nutzer habe sich aber seither noch keine spürbare Vereinfachung ergeben. Nur das neu eingeführte Baden-Württemberg-Ticket für Alleinreisende erfülle eine VCD-Forderung aus dem letzten Verbundreport. Bedauerlich sei allerdings, dass das Baden-Württemberg-Ticket noch immer in vier Landkreisen nicht in den Bussen gelte und damit seinem Namen nicht vollständig gerecht werde.

VCD-Vorsitzender Matthias Lieb erklärte: "Die Kuriosität, dass einzelne Bus­unternehmer das attraktive Baden-Württemberg-Ticket nicht anerkennen, zeigt deutlich, dass viel zu selten die Interessen der Fahrgäste im Mittelpunkt stehen. Dabei ist es den Fahrgästen doch egal, wer hinter den Kulissen den öffentlichen Nahverkehr organisiert. Sie wollen es nur nicht an den Landkreisgrenzen merken. Im Straßenverkehr gelten ja auch europaweit einheitliche Regeln. Kein Autofahrer würde es sich gefallen lassen, wenn im einen Landkreis links zu fahren wäre, im nächsten wieder rechts!" Gerade so seien aber die Verhältnisse bei der Nutzung von Bus und Bahn: Mal seien Fahrkarten zu entwerten, mal nicht. Einmal seien Fahrkarten 24 Stunden gültig, dann wieder einen Kalendertag.

Nach Einschätzung des VCD ist es unwahrscheinlich, dass die aktuell mehr als zwanzig Verwaltungen der Vebünde das ÖPNV-Angebot besser und günstiger organisieren können als nur vier oder fünf Verbünde. Insofern gehe mittelfristig - nach dem Vorbild anderer Bundesländer - kein Weg an einer Fusion der Verkehrs­verbünde zu wenigen, schlagkräftigen Einheiten vorbei. Dabei könnten Verwaltungskosten gesenkt und durch transparentere Tarife neue Fahrgäste gewonnen werden.

Bis es so weit kommt, ist es nach Einschätzung des VCD unbedingt notwendig, die Verbundförderung des Landes sowie die Bestellung von Nahverkehrsleistungen an die Einhaltung von konkreten Mindeststandards zu koppeln. Deshalb fordert der Verkehrsclub Deutschland:

  1. Die Vollendung des 14. Lebensjahres als einheitliche Kinderaltersgrenze für alle Verbünde.
  2. 5 Personen (bzw. 2 Erwachsene mit allen eigenen Kinder) als einheitliche Bestimmung der Kleingruppe.
  3. Gültigkeit einer Minigruppenkarte immer als Tageskarte (d.h. von morgens bis Betriebsschluss 3 Uhr, nicht als 24-Stunden-Karte).
  4. Einheitliche Regelung zur Mitnahme bei Zeitkarten: VCD-Vorschlag: 4 Personen (bzw. 1 Erwachsener und alle eigenen Kinder). Mitnahme werktags ab 19:00 Uhr und am Wochenende ganztags.
  5. Anerkennung des Baden-Württemberg-Ticket in allen Verbünden in allen Verkehrsmitteln der Verbünde.
  6. Einheitliche Rabattkarte für Baden-Württemberg, mit der in jedem Verbund ver­günstigte Fahrausweise gelöst werden können. Anerkennung der BahnCard 100 der DB als Fahrkarte in allen Verbundverkehrsmitteln in Baden-Württemberg bzw. Angebot einer "Baden-Württemberg-Karte" als Jahresnetzkarte für den gesamten SPFV und ÖPNV in Baden-Württemberg.
  7. Übergangsregelungen zu Nachbarverbünden durch Festlegung von Über­lappungsbereichen für Einzel-, Tages- und Dauerkarten.
  8. Baden-Württemberg-Tarif für längere Fahrtstrecken: Bahnfahrt im Nahverkehr plus Stadtverkehr am Start- und Zielort zu einem Preis, analog zum City-Ticket des DB-Fernverkehrs.
  9. Einrichtung von Fahrgastbeiräten in allen Verbünden, damit die Interessen der Fahrgäste besser Gehör finden.
  10. Mittelfristig die Bildung größerer Verkehrsverbünde entsprechend den Beispielen in anderen Bundesländern.

Der VCD-Verbundreport 2005 steht komplett und mit zahlreichen Extras im Internet zum Download zur Verfügung:

http://www.vcd-bw.de/themen/verkehrsverbund/2005